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Schule –  Das Wartezimmer zur Arbeitslosigkeit?

14.06.2018 Alex Hornung

In letzter Zeit habe ich mich mehrfach mit einem Freund von mir ausgetauscht, er ist Lehrer in Annecy und mittlerweile äusserst unzufrieden mit seinem Beruf. Da ich österreichische Verhältnisse gewöhnt bin, läuteten hierbei bei mir gleich die Alarmglocken, doch die Empathie und tiefe Liebe zur Literatur dieser Person liess mich dennoch aufhorchen, da ich mir sicher war, dass seine Unzufriedenheit keine oberflächliche Beschwerde über PISA-Ergebnisse, geleistete Arbeitstunden, etc. war. In unserem Gespräch teilte er mir mit, dass das Ziel der lycee, welche der österreichischen gymnasialen Oberstufe entspricht, nicht mehr die Erziehung zum selbständigen Denken und dem Vermitteln von Allgemeinbildung sei, sondern bloss noch die Kinder von der Strasse fernzuhalten. Die reine Anwesenheit reiche mittlerweile aus um das Baccalaureat, die französische Matura, zu erreichen, fordere man etwas Eigeninitiative und Leistung von den Schülern läuft dies meist ins Leere. Für den schulischen Misserfolg werden selbstverständlich in erster Linie die Lehrer verantwortlich gemacht, berechtigt oder nicht, das zugrundeliegende Thema ist, dass die Schuld automatisch beim Anderen gesucht wird.

Dieses Problem ist also kein typisch österreichisches, nur sehen wir in Frankreich wie sich Österreich wahrscheinlich entwickeln wird, sollten wir nichts ändern. Hier sind bürokratische Strukturen noch festgefahrener, Strukturen noch unflexibler. Eine Gesellschaft, die ihre Kinder nicht zur Eigeninitiative und Verantwortung erziehen kann, und bei jedem Fehler sofort die Schuld beim Anderen sucht, hat keine Zukunft. Bildungsreformen werden blockiert, die Lehrpläne sind veraltet, gleichzeitig wird die Welt “da draussen” immer komplizierter und moderne Lebens- und Arbeitsumstände verlangen nach Menschen, die sich aus eigenem Antrieb frei entfalten, kritisch denken können und nicht 8 Stunden pro Tag repeptitive Tätigkeiten am Fliessband ausführen.

Ich habe überlegt in welchem Land das Bildungssystem um so vieles besser ist um als Gegenentwurf herzuhalten, doch der direkte Vergleich mit bspw. den skandinavischen “Musterländern” ist schwieriger als erwartet. Fakt ist, das Österreich zu den Spitzenreitern in der EU bei den Ausgaben pro Schüler gehört*. Dieser Umstand wäre prinzipiell begrüssenswert, doch offensichtlich verschwindet auch hier wieder der Grossteil in der Erhaltung verkrusteter Strukturen und landet nicht im Kopf des Schülers.

Die Schule sollte einer neuen Generation die Möglichkeit bieten, sich mit kritischem und flexiblem Denken auf moderne, sich verändernde Lebensrealitäten vorzubereiten . Alte Pädagogik ist jedoch keine Antwort auf neue Herausforderungen.

 

*Quelle (Eurostat): Expenditure on educational institutions (excluding early childhood educational development) per pupil student, by sector, 2014 (EUR per pupil student in full-time equivalents)